{"id":780,"date":"2021-02-03T15:25:57","date_gmt":"2021-02-03T15:25:57","guid":{"rendered":"https:\/\/adhd-women.eu\/?page_id=780"},"modified":"2021-04-25T13:51:47","modified_gmt":"2021-04-25T12:51:47","slug":"adhs-bei-frauen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/","title":{"rendered":"ADHS bei Frauen"},"content":{"rendered":"\n<h4><strong>ADHS \u2013 heimt\u00fcckisch bei Frauen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>\u201eSie war doch immer so ein liebes M\u00e4dchen. Etwas ruhig und still vielleicht. Ja, der Schreibtisch sah immer w\u00fcst aus, aber sonst&#8230;Die Noten waren doch immer so gut! Und jetzt? Nichts kriegt sie hin. Guck dir die Wohnung an! So eine Schlampe. Und auf der Arbeit kriegt sie auch nichts gebacken, st\u00e4ndig wird sie gek\u00fcndigt, weil sie Fehler macht. Davon mal abgesehen, dass die Kinder nicht erzogen sind und machen was sie wollen&#8230;Dauernd heult sie rum, dass ihr alles zu viel ist. Als ob andere M\u00fctter nicht genau die gleichen Probleme haben wie sie. Sie soll sich mal nicht immer so anstellen&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>ADHS ist mit einer Pr\u00e4valenz von ca 5% eine der h\u00e4ufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen. Bei ca 2\/3 der betroffenen Kinder kommt es zu einer Persistenz bis ins Erwachsenenalter, oft mit einem hohen Leidensdruck, die eine weitere Behandlung notwendig machen. In der Kindheit sind mit einem Geschlechterverh\u00e4ltnis von 3-4:1 mehr Jungen als M\u00e4dchen betroffen, im Erwachsenenalter gleicht sich das Verh\u00e4ltnis an. Doch woran liegt dies? Heilt bei Jungen die ADHS eher aus oder werden M\u00e4dchen mit ADHS zu h\u00e4ufig \u00fcbersehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als Jungs fallen M\u00e4dchen mit ADHS in der Kindheit selten auf. Es gibt nicht viele M\u00e4dchen, die laut sind, auf B\u00e4ume klettern und herumtoben, st\u00e4ndig reden und jedem ins Wort fallen. M\u00e4dchen mit ADHS entsprechen selten dem Klischee des klassischen Zappelphilipps. Die meisten sind sie still, ruhig und zur\u00fcckgezogen. Sie sind dem unaufmerksamen Typus der ADHS zuzuordnen. Doch ihre Probleme im Alltag sind nicht weniger gravierend als die der Jungs. Sie verlieren sich in Tagtr\u00e4umereien, k\u00f6nnen dem Unterricht nicht folgen. Sie vergessen die Hausaufgaben, tr\u00f6deln, verlieren die Arbeitszettel, der Schreibtisch sieht chaotisch aus. Ihre Unruhe zeigt sich im Kleinen. Sie kauen an den N\u00e4geln oder spielen sich st\u00e4ndig an den Haaren. Bei Stress reagieren sie mit emotionalen Durchbr\u00fcchen. Im Gegensatz zu Jungen zeigen sie \u00c4ngste oder beginnen zu weinen, statt ihre Wut und ihre Gef\u00fchle lautstark hinaus zu schreien. Ansonsten st\u00f6ren sie niemanden gro\u00dfartig. Sie fallen kaum auf, und es wird selten eine ADHS hinter den Symptomen vermutet. Die betroffenen M\u00e4dchen gelten als faul, h\u00f6ren, sie sollen \u201esich mehr anstrengen\u201c oder \u201esich zusammenrei\u00dfen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt ein Teufelskreis, der sich im Leben der erwachsenen ADHS-betroffenen Frau fortsetzt. Krampfhaft und mit gro\u00dfem Kraftaufwand versucht sie bereits als M\u00e4dchen, den an sie gestellten Erwartungen und gesellschaftlich Klischees zu entsprechen. Sie macht ihre Schwierigkeiten und Konflikte mit sich selbst aus. Es ist ein immerw\u00e4hrender Kampf gegen Windm\u00fchlen, sich zu organisieren, bei der Sache zu bleiben, den Anspr\u00fcchen ihrer Umwelt zu gen\u00fcgen. Sie h\u00f6rt, wie faul sie sei, dass sie es nicht schafft, sich keine M\u00fche gibt. Sie entwickelt Selbstzweifel, ihr Selbstwertgef\u00fchl rutscht in den Keller. Nicht lange, und sie bekommt Depressionen, Angstst\u00f6rungen und Suchterkrankungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Frauen mit ADHS wirken lange Zeit unauff\u00e4llig. Seit der Kindheit haben sie gelernt, ihre Schwierigkeiten im Alltag zu \u00fcberdecken und zu verstecken. Sie entwickeln Kompensationsmechanismen, die lange Zeit mehr oder weniger gut funktionieren. Dass sie sich innerlich verzehren f\u00e4llt der Umwelt nicht auf. Sie wirken stark und selbstbewusst. Die Anstrengung und der Kraftaufwand, den sie jeden Tag leisten, fallen niemandem auf. Eine saubere, aufger\u00e4umte Wohnung ist selbstverst\u00e4ndlich, ebenso wie fehlerlose, ordentliche Arbeit. P\u00fcnktlichkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit verstehen sich von selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Frauen wird ADHS sp\u00e4ter als bei M\u00e4nnern diagnostiziert. Bei vielen M\u00e4dchen dominieren die Symptome des Unaufmerksamen Typus der ADHS. Sie fallen im Gegensatz zu den Jungs nicht auf, leiden seltener an Lernschw\u00e4chen wie z.B. Lese-Rechtschreib-Schw\u00e4che oder Rechenschw\u00e4che. Sie k\u00f6nnen in der Anfangszeit mit Schwierigkeiten in der Schule besser umgehen, diese besser verstecken. Sie st\u00f6ren keinen, keiner nimmt Ansto\u00df an ihnen, ihre Probleme fallen unter den Tisch. In jungen Jahren leiden sie seltener an zus\u00e4tzlichen Erkrankungen wie z.B. Depressionen. Es kommt seltener zu Facharztvorstellungen als bei Jungen. In der Pubert\u00e4t steigt das Risiko f\u00fcr die Entwicklung einer Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung, Angstst\u00f6rung, Depressionen oder Essst\u00f6rungen. Die Gefahr ist gro\u00df, dass das Augenmerk nur hierauf gerichtet wird. Die zugrunde liegende ADHS wird \u00fcbersehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem bei Frauen mit hohem IQ wird ADHS oft \u00fcbersehen. Wie viele Betroffene haben nicht schon den Satz geh\u00f6rt \u201eSie k\u00f6nnen keine ADHS haben, Sie haben ja Abitur\u201c. Wieviel Kraft es diese jungen Frauen gekostet hat, das Abitur zu erreichen, wird ignoriert. Sie haben mehr geleistet als ihre Altersgenossinnen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Eine Wertsch\u00e4tzung bekommen sie daf\u00fcr nicht. Es wird als selbstverst\u00e4ndlich angesehen. Je h\u00f6her der IQ, desto besser schaffen es Frauen mit ADHS, ihre Symptome zu verstecken und eine Fassade aufzubauen. Sie lernen fr\u00fch, sich anzupassen. Sie fallen nicht auf, arbeiten hart, machen es jedem Recht. Durch ihre Intelligenz haben sie weniger Schwierigkeiten in der Schule. Sie fallen lange Zeit aus dem Raster und entziehen sich einer Diagnose \u2013 was auf sie und ihr Leben gravierende Auswirkungen hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die jungen Frauen gehen bis an ihre Grenzen und noch ein gro\u00dfes St\u00fcck weiter. Wenn auf einmal keine Kraft mehr da ist, brechen sie zusammen und alle sind irritiert. Jeder guckt mitleidig und verst\u00e4ndnislos. Die ADHS-betroffene Frau hat pl\u00f6tzlich und unerwartet \u00c4ngste und Depressionen. Da sie vorher nie nach Hilfe gerufen hat, kommt als Reaktion nur ein \u201eStell dich nicht so an, jeder hat viel zu tun\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei vielen jungen Frauen treten die Symptome mit dem Auszug aus dem Elternhaus oder der Aufnahme einer Ausbildung bzw Studium \u00fcbergangslos mit einer Brachialit\u00e4t hervor, die das Umfeld (und auch die Betroffenen selbst), v\u00f6llig \u00fcberrascht und \u00fcberfordert. Zuvor bestehenden Strukturen von au\u00dfen brechen mit dem Auszug weg. Die junge Frau verliert ihre Hilfen zur Kompensation. Die ganze Zeit schien auf den ersten Blick alles normal, jetzt kommt ein Verhalten zum Vorschein, das alle irritiert. Die Lebensumst\u00e4nde der jungen ADHS-betroffenen Frau ver\u00e4ndern sich. Zuvor hatte sie ein Zimmer, welches sie in Ordnung halten sollte. Dies hat sie gerade noch geschafft. Die W\u00e4sche erledigten die Eltern, Termine gab es kaum. Auf einmal ist die junge Frau auf sich allein gestellt. Sie muss ihr Leben selbst organisieren, ihre Wohnung in Ordnung halten, die W\u00e4sche waschen, sich um den Einkauf k\u00fcmmern, Termine einhalten und Rechnungen bezahlen. F\u00fcr jeden jungen Menschen ist dies eine Umstellung. F\u00fcr einen ADHS&#8217;ler stellt es eine ungemeine Herausforderung dar. Die junge Frau ist \u00fcberfordert, blockiert, schiebt alles vor sich her und verliert sich im Chaos. Sie bricht ihre Ausbildung oder das Studium ab, wechselt h\u00e4ufig die Arbeitsstellen und Partner, konsumiert Suchmittel, und schafft es nicht, ihre Wohnung, ihre sozialen Kontakte, ihre Hobbies \u2013 kurz, ihr Leben &#8211; in Ordnung zu halten. Auf der anderen Seite sieht sie, wie leicht es den Menschen in ihrer Umgebung f\u00e4llt, ein \u201enormales\u201c Leben zu f\u00fchren. Sie sp\u00fcrt die mitleidigen, abwertenden Blicke und die offenen Kommentare. Depressionen und \u00c4ngste sind die Folge. Viele ADHS-betroffene Frauen machen Erfahrungen mit Schikanierungen durch ihr Umfeld. Bereits als M\u00e4dchen haben sie Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion. Sie sind Opfer von Mobbingattacken. Als Konsequenz interpretieren sie ihre Schwierigkeiten als eigenes, pers\u00f6nliches Versagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele betroffene Frauen suchen in dieser Situation therapeutische Hilfe. Es ist ihnen unbegreiflich, was los ist. Das ganze Chaos in Worte zu fassen f\u00e4llt schwer. H\u00e4ufig sieht auch der Therapeut nur das Offensichtliche.&nbsp; Eine junge Frau, die an Depressionen oder \u00c4ngsten leidet. Und genau diese Erkrankung wird behandelt. Die zugrundeliegende ADHS wird \u00fcbersehen, sie ist durch die Depression \u00fcberdeckt. Viele betroffene Frauen verschweigen aus Scham ihre massiven Schwierigkeiten im Alltag. Wer gibt gegen\u00fcber einem Fremden \u2013 selbst wenn es ein Arzt ist &#8211;&nbsp; zu, dass sie es nicht schafft, die Wohnung in Schuss zu halten? Dass es ein einziges Chaos ist, die W\u00e4sche sich t\u00fcrmt, das Essen im K\u00fchlschrank vergammelt und unbezahlte Rechnungen herumliegen? Eine nicht erkannte ADHS f\u00fchrt in Therapien zu Frustrationen. Der Therapeut gibt Ratschl\u00e4ge zur Alltagsbew\u00e4ltigung. Eine Frau mit ADHS kann diese nur sehr schwer umsetzen. Der Therapeut, in Unkenntnis der Diagnose, missversteht es als Therapieverweigerung Es entstehen Missverst\u00e4ndnisse und Konflikte, Therapien werden abgebrochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick sieht man vor allem Frauen vom hyperaktiven oder kombinierten Typus ihre Schwierigkeiten kaum an. Sie wirken eloquent und selbstsicher. Sie sind sozial, tanzen auf allen Hochzeiten gleichzeitig, sind aktiv und besch\u00e4ftigt. Ein gewisses Ma\u00df an Chaos ist ihnen anzumerken. Durch ihr Charisma dr\u00fcckt ihr Umfeld ein Auge zu. Durch ihren Rededrang haben sie keine Schwierigkeiten, in Kontakt zu kommen. Sie rei\u00dfen andere Menschen mit ihrer \u00fcberschw\u00e4nglichen und \u00fcbersprudelnden Art mit. Doch nach kurzer Zeit ist ihr Umfeld mit ihrem Wesen oft \u00fcberfordert. Sie stellen ihre Mitmenschen auf harte Geduldsproben. Sie kommen zu sp\u00e4t, vergessen Termine oder Termine \u00fcberschneiden sich. Sie gelten als unzuverl\u00e4ssig. Von einem Moment auf den anderen verwerfen sie Pl\u00e4ne. Die Tage sind vollgepackt mit Aktivit\u00e4ten, die nicht zu schaffen sind. Der Zeitplan ger\u00e4t au\u00dfer Kontrolle. Es f\u00e4llt ADHS-betroffenen Frauen von sich aus schwer, gekn\u00fcpfte Kontakte aufrecht zu erhalten. Freunde werden in einem spontanen Impuls angerufen und sollen f\u00fcr Aktivit\u00e4ten bereitstehen. Wird dieses Bed\u00fcrfnis von der anderen Seite nicht erf\u00fcllt, kommt es zu heftigen emotionalen Reaktionen. Es f\u00e4llt den betroffenen Frauen schwer, stabile und tiefergehende Beziehungen einzugehen. Durch die gesamte Lebensspanne hindurch kommt es zu einem h\u00e4ufigen Wechsel von Freundschaften und Partnerschaften. Ihre Begeisterungsf\u00e4higkeit und Neugier steckt initial an. Mit ihrem Tempo mithalten k\u00f6nnen nicht viele. Auf Dauer sind die meisten Menschen damit \u00fcberfordert. Die betroffenen Frauen vereinsamen. In jungen Jahren neigen viele M\u00e4dchen zu riskantem Sexualverhalten, das Risiko, Opfer von Missbrauch zu werden, ist gro\u00df.&nbsp; Teenager-Schwangerschaften sind h\u00e4ufig bei ADHS-betroffenen Frauen zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen mit ADHS, bei denen der unaufmerksame Typus dominiert, sind zur\u00fcckgezogen. Sie sind \u00e4ngstlich, risikoscheu und lassen sich schnell entmutigen. Sie haben kaum soziale Kontakte, verlieren sich in Tagtr\u00e4umereien, neigen dazu, Dinge vor sich herzuschieben. Sie wirken nach au\u00dfen faul und tr\u00e4ge. Beruflich bleiben sie hinter ihren M\u00f6glichkeiten zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Frauen ist ADHS eine t\u00fcckische Erkrankung. Trotz aller Emanzipation liegt der Gro\u00dfteil der Aufgabe der Organisation des Haushaltes in den H\u00e4nden der Frau. Die Frau von heute geht arbeiten. Trotzdem hat die Wohnung sauber zu sein. Zum Gro\u00dfteil obliegt es der Frau, sich um die Kinder zu k\u00fcmmern, ihnen die Kleider raus zulegen, Schulbrote zu schmieren und an Elternabende zu denken. Sie macht mit den Kindern Hausaufgaben, f\u00e4hrt sie zur Schule, w\u00e4scht die W\u00e4sche und kocht. Die sozialen Kontakte d\u00fcrfen nicht vergessen werden. Die Rollenerwartung der Frau ist heutzutage weiterhin, dass sich die Frau k\u00fcmmert, liebevoll f\u00fcr alles sorgt und an jegliche Termine denkt. Bei M\u00e4nnern mag die Nase ger\u00fcmpft werden, wenn etwas nicht richtig l\u00e4uft \u2013 Frauen werden kritisiert. Die ADHS-betroffene Frau schafft es nur mit \u00e4u\u00dferstem Kraftaufwand, dieses Rollenbild zu erf\u00fcllen. Immer wieder k\u00e4mpft sie gegen ihre eigenen Windm\u00fchlen. Und immer wieder fragt sie sich, was sie falsch macht, warum es bei ihr nicht funktioniert. Sie fragt sich, warum es anderen so leichtf\u00e4llt. Als logische Konsequenz sucht die ADHS-betroffene Frau die Schuld bei sich und denkt, etwas stimmt nicht mit ihr. Sie bekommt Minderwertigkeitsgef\u00fchle und hat \u00c4ngste vor jeder neuen Aufgabe. Trotzdem schaffen es viele Frauen sehr lange, diese \u00c4ngste zu kaschieren. Sie zeigen sie niemandem, die Fassade bleibt stabil. Sie verlieren sich mehr und mehr, achten nicht auf ihre Bed\u00fcrfnisse. Nur der Schein und das Bild nach au\u00dfen z\u00e4hlen f\u00fcr sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine unerkannte ADHS bei Frauen ist ein langer Weg voller Frustrationen, Versagensgef\u00fchlen, Selbstanschuldigungen und Selbstwertproblemen. Die Frauen k\u00e4mpfen mit \u00c4ngsten, sie tragen ihre Schwierigkeiten und Konflikte mit sich selbst aus. W\u00e4hrend die M\u00e4nner explodieren leiden die betroffenen Frauen still vor sich hin (\u201eimplodieren\u201c). Sie wollen nicht auffallen und verleugnen ihre Schwierigkeiten.&nbsp; Auf der Suche nach M\u00f6glichkeiten zum Abbau des Stresses und der Unruhe beginnen sie, an den N\u00e4geln zu kauen, rauchen, essen \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel oder erbrechen sich. Viele entwickeln eine Essst\u00f6rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele ADHS-betroffene Frauen reagieren sehr sensibel auf hormonelle Ver\u00e4nderungen. Wenige Tage vor Einsetzen der Regelblutung verst\u00e4rken sich die Symptome der ADHS. Vor allem die Gef\u00fchlsschwankungen nehmen zu. Die Frauen sind in dieser Zeit ihren Gef\u00fchlen mehr denn je ausgeliefert. Die Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und bei einer Aufgabe zu bleiben, steigen.&nbsp; Viele ADHS-betroffene Frauen leiden an einem Pr\u00e4menstruellem Syndrom. Die hohe Anf\u00e4lligkeit der Symptome f\u00fcr hormonelle Schwankungen macht es Frauen mit ADHS schwer. Die Pubert\u00e4t ist f\u00fcr jedes M\u00e4dchen und jeden Jungen eine schwere Zeit. Wenn ADHS hinzukommt, ist das Chaos in der Pubert\u00e4t perfekt. Die heranwachsende Frau ist ihren Emotionen ausgeliefert. Die Gef\u00fchle fahren durch die ADHS Achterbahn, durch die Hormone wird die Fahrt ein H\u00f6llenritt. Die Konzentrationsschwierigkeiten, die Unruhe und die Desorganisiertheit unterliegen ebenfalls Schwankungen. Zus\u00e4tzlich zu den \u201enormalen\u201c Schwierigkeiten in der Pubert\u00e4t kommt bei M\u00e4dchen mit ADHS die verst\u00e4rkende Instabilit\u00e4t durch die Hormone hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gleichen Schwierigkeiten treten in den Wechseljahren auf. Erneut schwanken die Hormone, die Ver\u00e4nderungen sind nur schwer beeinflussbar. Die ADHS-betroffene Frau ist dem hormonellen Wechselbad und dem Einfluss auf die Symptome der ADHS hilflos ausgeliefert. V\u00f6llig unerwartet kippt die Stimmung. Es kommt zu unbeherrschten Ausbr\u00fcchen, auf die das Umfeld verst\u00e4ndnislos reagiert. Nach und nach ist die betroffene Frau als hysterisch verschrien. Die Konzentration ist von einem Moment auf den anderen nicht mehr vorhanden. Sie kann ihren Fokus nicht mehr dort aufrechterhalten, wo es gefordert ist. Dies ist erneut eine Zeit, in der von der ADHS-betroffenen Frau alles abverlangt wird. Sie setzt s\u00e4mtliche erlernten Bew\u00e4ltigungsstrategien und Vermeidungsstrategien ein. Sie benimmt sich zum Teil sehr penibel, fast zwanghaft, um keinen Fehler zu machen, um nichts zu \u00fcbersehen. Die Arbeit geht langsam voran, ihr wird Lethargie und eine passive Haltung vorgeworfen. Ihre extreme Anstrengung und Ersch\u00f6pfung sieht niemand. Sie leidet massiv darunter, reagiert mit Scham. Es entstehen Konflikte im Arbeits- und Berufsleben. Es dauert nicht mehr lange, dann wird sie sich zur\u00fcckziehen, bekommt Depressionen und \u00c4ngste.<\/p>\n\n\n\n<p>ADHS ist eine klinische Diagnose. Die Diagnosestellung beruht auf einem ausf\u00fchrlichen \u00e4rztlichen Gespr\u00e4ch. Zus\u00e4tzlich werden Frageb\u00f6gen und Zeugnisse zur Beurteilung der Symptome in der Kindheit hinzugezogen. Wenn m\u00f6glich, werden Eltern oder Personen aus dem Umfeld der Betroffenen befragt. Viele Frauen und M\u00e4dchen sind leider sehr gut darin, ihre Symptome zu verstecken. Nicht selten beschreiben Personen aus dem Umfeld und Zeugnisse sie als \u201eunauff\u00e4llig\u201c. Frauen mit ADHS spielen den Auspr\u00e4gungsgrad ihrer Symptome herunter. Dadurch wird bei vielen eine Diagnose ausgeschlossen oder der Schweregrad und die Beeintr\u00e4chtigung nicht erkannt. Ehrlichkeit bei der Beschreibung der Symptome ist von immenser Bedeutung. Falsche Scham verhindert die Diagnose und verl\u00e4ngert den Leidensweg. Nur die v\u00f6llige Offenheit und Ehrlichkeit der ADHS-betroffenen Frau mindert ihren Leidensweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt drei Medikamente zur Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter. Bei vielen Frauen sind die ADHS-Symptome zyklusabh\u00e4ngig. Es ist wichtig, dass die betroffene Frau einen Zykluskalender f\u00fchrt. In diesen tr\u00e4gt sie gleichzeitig die St\u00e4rke und Auspr\u00e4gung der ADHS-Symptome ein. Sie hilft dem Arzt, die Medikation optimal einzustellen. Bei einigen Frauen ist wenige Tage vor Beginn der Regelblutung eine Anpassung der Medikation notwendig. Die Frauen selbst k\u00f6nnen sich durch das F\u00fchren des Kalenders ebenfalls besser auf die Symptomschwankungen vorbereiten. Wenn man wei\u00df, was mit einem los ist, kann man es besser annehmen. Wenn man wei\u00df, dass nach dem Regen die Sonne wieder scheinen wird, \u00fcbersteht man diese Tage leichter.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wichtigste f\u00fcr jede Frau mit ADHS ist das Wissen um ihre Besonderheit. Das Wissen darum, warum sie anders ist, warum ihr Umgang mit den Anforderungen des Alltags ein anderer ist. Dass es kein pers\u00f6nliches Versagen ist, sondern dass ihr Gehirn auf eine andere Art und Weise funktioniert als das ihrer Mitmenschen. Dass sie, ganz im Gegenteil, nicht versagt hat, sondern viel h\u00e4rter gek\u00e4mpft hat, um all das zu erreichen, was sie erreicht hat. Und dass sie bei allem sich selbst nicht vergessen darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Autor: Dr. Jana Engel<br>Kontaktdaten: Riedstadt E-Mail: <a href=\"mailto:dr.j.engel@gmx.de\">info@adhs-riedstadt.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4>Literatur:<\/h4>\n\n\n\n<ul><li>Keltner, L. Norman, Woodman, Elizabeth Taylor: Messy purse girls: adult females and ADHD. Perspect Psychiatr Care. 2002 Apr-Jun; 38(2): 69\u201372.<\/li><li>Engel, Jana (2018). Der \u201eunaufmerksame\u201c Typus erschwert die Diagnose. DNP &#8211; Der Neurologe &amp; Psychiater. 19. 20-24.<\/li><li>Engel, Jana. ADHS bei Frauen. Sonderbericht. \u00c4rzteZeitung f\u00fcr Neurologen und Psychiater, Nr. 2, April 2018, 13.<\/li><li>Solden, Sari. Die Chaos-Prinzessin: Frauen zwischen Talent und Misserfolg, 1. Auflage 1998, Verlag: Bundesverband Aufmerksamkeits- st\u00f6rung, ISBN-13: 9783933067029<\/li><li>H\u00f6rsting, Ann-Kristin. AD(H)S bei Frauen. neuro aktuell 02\/16, 26-28.<\/li><\/ul>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-official sd-sharing\"><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-twitter\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" data-text=\"ADHS bei Frauen\" data-via=\"WomenADHD\" >Tweet<\/a><\/li><li class=\"share-facebook\"><div class=\"fb-share-button\" data-href=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" data-layout=\"button_count\"><\/div><\/li><li class=\"share-linkedin\"><div class=\"linkedin_button\"><script type=\"in\/share\" data-url=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" data-counter=\"right\"><\/script><\/div><\/li><li class=\"share-reddit\"><div class=\"reddit_button\"><iframe src=\"https:\/\/www.reddit.com\/static\/button\/button1.html?newwindow=true&width=120&amp;url=https%3A%2F%2Fadhd-women.eu%2Fde%2Fadhs-bei-frauen%2F&amp;title=ADHS%20bei%20Frauen\" height=\"22\" width=\"120\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div><\/li><li><a href=\"#\" class=\"sharing-anchor sd-button share-more\"><span>Mehr<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><div class=\"sharing-hidden\"><div class=\"inner\" style=\"display: none;\"><ul><li class=\"share-pinterest\"><div class=\"pinterest_button\"><a href=\"https:\/\/www.pinterest.com\/pin\/create\/button\/?url=https%3A%2F%2Fadhd-women.eu%2Fde%2Fadhs-bei-frauen%2F&#038;media=https%3A%2F%2Fadhd-women.eu%2Fwp-content%2Fuploads%2F2020%2F10%2Fcropped-ADHD-in-Women-2-150x150.png&#038;description=ADHS%20bei%20Frauen\" data-pin-do=\"buttonPin\" data-pin-config=\"beside\"><img src=\"\/\/assets.pinterest.com\/images\/pidgets\/pinit_fg_en_rect_gray_20.png\" \/><\/a><\/div><\/li><li class=\"share-tumblr\"><a class=\"tumblr-share-button\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tumblr.com\/share\" data-title=\"ADHS bei Frauen\" data-content=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" title=\"Auf Tumblr teilen\"data-posttype=\"link\">Auf Tumblr teilen<\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><li class=\"share-jetpack-whatsapp\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-jetpack-whatsapp sd-button\" href=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/?share=jetpack-whatsapp\" target=\"_blank\" title=\"Klicken, um auf WhatsApp zu teilen\"><span>WhatsApp<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-email\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-email sd-button\" href=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/?share=email\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden\"><span>E-Mail<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ADHS \u2013 heimt\u00fcckisch bei Frauen \u201eSie war doch immer so ein liebes M\u00e4dchen. Etwas ruhig und still vielleicht. Ja, der Schreibtisch sah immer w\u00fcst aus, aber sonst&#8230;Die Noten waren doch immer so gut! Und jetzt? Nichts kriegt sie hin. Guck dir die Wohnung an! So eine Schlampe. Und auf der Arbeit kriegt sie auch nichts&hellip;&nbsp;<\/p>\n<div class=\"read-more-wrapper\" style=\"padding: 10px 0 0;\"><a href=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" class=\"button button-primary\" rel=\"bookmark\">Weiterlesen &raquo;<span class=\"screen-reader-text\">ADHS bei Frauen<\/span><\/a><\/div>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-official sd-sharing\"><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-twitter\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" data-text=\"ADHS bei Frauen\" data-via=\"WomenADHD\" >Tweet<\/a><\/li><li class=\"share-facebook\"><div class=\"fb-share-button\" data-href=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" data-layout=\"button_count\"><\/div><\/li><li class=\"share-linkedin\"><div class=\"linkedin_button\"><script type=\"in\/share\" data-url=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" data-counter=\"right\"><\/script><\/div><\/li><li class=\"share-reddit\"><div class=\"reddit_button\"><iframe src=\"https:\/\/www.reddit.com\/static\/button\/button1.html?newwindow=true&width=120&amp;url=https%3A%2F%2Fadhd-women.eu%2Fde%2Fadhs-bei-frauen%2F&amp;title=ADHS%20bei%20Frauen\" height=\"22\" width=\"120\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div><\/li><li><a href=\"#\" class=\"sharing-anchor sd-button share-more\"><span>Mehr<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><div class=\"sharing-hidden\"><div class=\"inner\" style=\"display: none;\"><ul><li class=\"share-pinterest\"><div class=\"pinterest_button\"><a href=\"https:\/\/www.pinterest.com\/pin\/create\/button\/?url=https%3A%2F%2Fadhd-women.eu%2Fde%2Fadhs-bei-frauen%2F&#038;media=https%3A%2F%2Fadhd-women.eu%2Fwp-content%2Fuploads%2F2020%2F10%2Fcropped-ADHD-in-Women-2-150x150.png&#038;description=ADHS%20bei%20Frauen\" data-pin-do=\"buttonPin\" data-pin-config=\"beside\"><img src=\"\/\/assets.pinterest.com\/images\/pidgets\/pinit_fg_en_rect_gray_20.png\" \/><\/a><\/div><\/li><li class=\"share-tumblr\"><a class=\"tumblr-share-button\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tumblr.com\/share\" data-title=\"ADHS bei Frauen\" data-content=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/\" title=\"Auf Tumblr teilen\"data-posttype=\"link\">Auf Tumblr teilen<\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><li class=\"share-jetpack-whatsapp\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-jetpack-whatsapp sd-button\" href=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/?share=jetpack-whatsapp\" target=\"_blank\" title=\"Klicken, um auf WhatsApp zu teilen\"><span>WhatsApp<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-email\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-email sd-button\" href=\"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/adhs-bei-frauen\/?share=email\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden\"><span>E-Mail<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"neve_meta_sidebar":"full-width","neve_meta_container":"","neve_meta_enable_content_width":"on","neve_meta_content_width":100,"neve_meta_title_alignment":"","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"","neve_meta_disable_header":"","neve_meta_disable_footer":"","neve_meta_disable_title":"","neve_meta_reading_time":"","_ti_tpc_template_sync":false,"_ti_tpc_template_id":"","spay_email":""},"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/780"}],"collection":[{"href":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=780"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/780\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":970,"href":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/780\/revisions\/970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/adhd-women.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}